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Leichtes Lernen in Schule und Betrieb

| Autor / Redakteur: Werner Degen* / Werner Degen

Schulisches Lernen findet zukünftig nicht mehr nur im Klassenzimmer statt. Denn mobile Endgeräte ermöglichen "Learning on demand" mit völlig neuen Anforderungen.
Schulisches Lernen findet zukünftig nicht mehr nur im Klassenzimmer statt. Denn mobile Endgeräte ermöglichen "Learning on demand" mit völlig neuen Anforderungen. (© sveta - Fotolia)

Bildung ist für die Wirtschaft von essenzieller Bedeutung. Jede Bewirtschaftungskette steht und fällt mit Bildung, mit qualifizierten Facharbeitern oder akademischem Wissen. Erfolg oder Misserfolg der dafür notwendigen digitalen Medien hängen von Unterrichtskonzepten, Tools und Technologien ab.

Beispiele von großen Konzernen wie Coca Cola, Audi oder RWE demonstrieren, wie man Mobile Learning, Serious Games und Social-Learning-Ansätze in der täglichen Bildungspraxis unter einen Hut bringen kann. Insbesondere Schulen können von den Unternehmen lernen, weil die Industrie in der Regel technisch deutlich besser ausgestattet ist. Aber die „Digitalisierung des Klassenzimmers“ ist keineswegs banal. Lern-, Organisations- und Technologielösungen müssen geprüft und auf Nachhaltigkeit und inhaltliche Tragfähigkeit untersucht werden. Mobile Endgeräte wie Tablet oder Smartphone sind heute bereits Leitmedien für viele Schüler – vor allem privat. Sie sind es gewohnt, mit ihrer Hilfe zu kommunizieren und Informationen zu suchen. Sich dieser Geräte im Schulunterricht zu bedienen, heißt also zunächst, die mediale Wirklichkeit der Schüler aufzunehmen und zu akzeptieren. Umgekehrt lässt sich damit bei geeigneten Anwendungen auch der Spaß der Schüler am Unterricht steigern.

Schulisches Lernen findet in Zukunft sicher nicht nur im Klassenraum statt. Mit mobilen Endgeräten kann „Learning on demand“ realisiert werden. Für Lehrer entwickelt sich ein völlig neues Anforderungsprofil. Schüler eignen sich Wissen und Kompetenz nicht länger ortsfest in der Schule an, sondern je nach Bedarf und Notwendigkeit spontan und an jedem beliebigen Ort. Gefördert werden soll – wo immer möglich – die Anwendung von Wissen in der praktischen Umgebung. Innovative Technologien wie „Augmented Reality“ (erweiterte Realität) helfen dabei, die Realität mit digitalen Informationen anzureichern und dadurch möglichst viele der menschlichen Sinne anzusprechen.

Der Einsatz von Tablets und anderen mobilen Endgeräten verändert dabei die Lehr- und Lernkultur grundlegend. Es geht nicht darum, das bisherige Schulbuch durch digitalisierte Inhalte zu ersetzen. Damit würden Anbieter von Lernmitteln dem Bedarf nicht genügen und medial deutlich zu kurz springen. Es geht vielmehr darum, durch die Medien individualisiertes und selbstgesteuertes Lernen zu fördern. Das verlangt neue Unterrichts­konzepte, die interaktive Lernformen integrieren. Duale und akademische Bildung braucht neue, digitale Entsprechungen.

Einer Untersuchung des Branchenverbands Bitkom zufolge gehen neun von zehn Unternehmen davon aus, dass die digitale Kompetenz der Beschäftigten genauso wichtig wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. Bereits in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Aufgaben in den Unternehmen durch die Digitalisierung verändert. So berichtet jedes zehnte Unternehmen davon, dass bestimmte Berufsprofile wie beispielsweise Schriftsetzer oder Lagerist komplett verschwunden sind, in jedem fünften Unternehmen sind neue Profile entstanden, etwa Software-Entwickler oder Datamining-Spezialist. „Durch die Digitalisierung fallen einfache Aufgaben weg, dafür entstehen aber Stellen mit komplexeren Anforderungen und mehr Verantwortung“, erläutert Hans-Jürgen Riehl, Spezialist für den Einsatz digitaler Medien am Hans-Sachs-Berufskolleg in Oberhausen. „Ohne eine digitale Kompetenz kommt man im Berufsleben künftig nicht mehr aus.“

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Entsprechend große Bedeutung messen Unternehmen zwischenzeitlich der Weiterbildung rund um Digital-Themen zu. Fast alle halten diese für qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen für wichtig, jeweils rund drei Viertel für Führungskräfte (77 Prozent) und gering Qualifizierte (71 Prozent). Aber nur sehr wenige Unternehmen investieren in die Weiterbildung: Sechs von zehn Unternehmen geben an, dass die digitale Kompetenz der eigenen Mitarbeiter nicht weitergebildet wird. Dabei sind kleinere Unternehmen bis 50 Mitarbeiter mit 67 Prozent nochmals deutlich zurückhaltender als größere Unternehmen mit 51 Prozent.

Nicht einmal jedes dritte Unternehmen hat eine zentrale Strategie, wie die Mitarbeiter digitale Kompetenzen erlangen sollen, nur ein Viertel hat dafür ein festes Budget eingeplant. Und jedes dritte Unternehmen gibt an, dass eine solche Weiterbildung für Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind, nicht sinnvoll sei. „Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital in der digitalen Wirtschaft“, sagt Riehl. „Wer sein Unternehmen verändern und neue Geschäftsmodelle erschließen will, der braucht die besten Köpfe in seinem Team. Und der muss dafür sorgen, dass seine Leute immer auf dem aktuellen Stand der digitalen Entwicklung bleiben – egal wie alt sie sind.“

In der Umfrage wurde auch nach den Gründen für die Zurückhaltung gefragt: Jedes dritte Unternehmen gibt an, die eigenen Mitarbeiter nicht intensiver rund um digitale Kompetenzen weiterzubilden, weil die Weiterbildungsangebote zu teuer sind. Ähnlich viele beklagen, dass sie die Qualität der Angebote nicht beurteilen können. Dem Dilemma entgeht man nur, wenn das Thema zur Chefsache wird.

Führungskräfte müssen dafür sensibilisiert werden, dass Weiterbildung zum Pflichtprogramm gehört. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen benötigen zusätzlich die Unterstützung der Politik, etwa durch die konkrete Förderung von Maßnahmen. Der Bitkom sieht die Politik auch dazu aufgerufen, die Grundlagen für Weiterbildungen durch eine fundierte Schulbildung zu legen. Diese müsste die Themen der digitalen Welt stärker als bislang berücksichtigen und den Erwerb digitaler Kompetenzen verpflichtend im Lehrplan verankern.

Die Digitalisierung von Schulmedien wird hierbei Auswirkungen auf den Unterrichtsalltag haben. Spezielle Angebote von Webseiten oder Bildungs-Apps ermöglichen einen wesentlich größeren Wissenspool als einzelne Lehrbücher. Die Kunst wird darin bestehen, die schier unendlichen Informationen im World Wide Web unterrichtsgeeignet zur Verfügung zu stellen; einfach mal googeln wäre da zu wenig. Schulbuch- und Lehrmittelverlage haben bereits auf diese Herausforderung reagiert und sind dabei, das klassische Schulbuch durch digitale Medien zu ergänzen. Doch was macht ein gutes digitales Lehrmedium aus? Analog der Idee des Web 4.0, aus Konsumenten Produzenten zu machen, sollten digitale Lernmedien so angelegt sein, dass sie viel „Mitmachen“ ermöglichen. Lernende konsumieren nicht mehr nur klassische Quellen wie Texte, sondern eignen sich ihr Wissen selbstständig an. 3D-Animationen erleichtern das Verständnis komplexer technischer Zusammenhänge, über Wikis oder Blogs werden die Lernenden außerdem zu Produzenten. ●

* Werner Degen ist Leiter Aus- und Weiterbildungsmedien Automotive bei Vogel Business Media

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