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Der Weg zur Kern-Fusion

| Autor: Frank Jablonski

Stärke der Motivation für Internationalisierung (in %).
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Stärke der Motivation für Internationalisierung (in %). (Quelle: Global Manufacturing Outlook, Forbes, 2016)

Der Handelspartner China wird immer wichtiger. Deutschland, Japan und die USA konnten ihre Exporte in das Reich der Mitte seit dem Jahr 2000 verdreifachen. Immer häufiger treten nun chinesische Unternehmen als Käufer deutscher Maschinenbauer auf. Das macht einigen Angst. Doch warum eigentlich, im Zeitalter der Globalisierung?

Till Reuter sitzt zurückgelehnt auf dem Ledersofa und lächelt in die Kamera, lächelt einfach die „German Angst“ weg. Als wäre nicht gerade ein Aufschrei durch das Land gegangen und bei Mitarbeitern, informierten und uninformierten Bürgern, Politikern und Journalisten die Angst vor dem Ausverkauf des Tafelsilbers umgegangen. Schlimmer noch: Ein Herzstück der goldenen Zukunft um Industrie 4.0 – ein systemrelevanter Teil sozusagen – soll nach China verkauft werden. Gerade erst hat der Hausgerätehersteller Midea das verlockende Angebot von 115 Euro je Kuka-Aktie abgegeben. Als Kuka-Chef Reuter so entspannt in Richtung Fotograf lächelt, weiß er noch nicht, dass Maschinenbauer Voith seine Beteiligung von 25,1 Prozent an den chinesischen Hausgerätehersteller Midea verkaufen wird. Eine feindliche Übernahme ist es aus Sicht von Till Reuter nicht. Keine Spur von Sorge, im Gegenteil, auch wenn er Kritik vom anderen Großaktionär Friedhelm Loh einstecken muss. Reuter freut sich über das große Interesse an „seinem“ Unternehmen, das er von einem Wert um die 250 Millionen Euro auf heute 4,5 Milliarden Euro gebracht hat. Der Umsatz hat sich seit den schlechten Zeiten um 2009 verdreifacht und liegt heute bei drei Milliarden Euro.

Auf die Köpfe im Unternehmen kommt es an

Reuter hat klare Wachstumsziele vor Augen, und die werden am ehesten im Wachstumsmarkt China erreicht. Auch wenn die Seidenstraßen-Lokomotive gerade etwas langsamer die Weltkonjunktur zieht, wird China mit Abstand der wichtigste Markt bleiben. Und aus Sicht von Kuka vor allem der größte Absatzmarkt für Roboter. Die künstlichen Kuka-Arbeiter werden in sämtlichen produzierenden Industrien eingesetzt und vermehren sich so im Gleichschritt mit ihren Abnehmern. Mehr noch: Auch in China wird Arbeitskraft teuer und es ist jetzt schon der Trend abzusehen, dass Roboter viele Tätigkeiten auch im einstigen Billiglohnland ersetzen werden – sie kosten heute schon nur etwa die Hälfte eines chinesischen Arbeiterstundenlohns. Wie lauten die Argumente der Ängstlichen und Sorgenträger, vor allem derjenigen, die sich auf glattem politischem Parkett äußern? Während es Siegmar Gabriel um „Fairness, nicht um Protektionismus“ geht, äußert sich EU-Kommissar Günther Oettinger differenzierter: Sein Kernargument lautet, Verwendung von europäischen Fördergeldern und deren Nutzen für die heimische Wirtschaft im Blick behalten zu wollen. Es könne nicht angehen, dass beispielsweise Kuka im Rahmen eines Förderprogramms 15 Millionen Euro erhalte und die Technologieführerschaft im gleichen Zuge nach Asien abwandere. Unternehmer zeigen sich demgegenüber viel entspannter. So gibt Heinz-Jürgen Prokop, Geschäftsführer bei Trumpf in Ditzingen, den Rat, die Sorge um einen „Know-how-Drain“ nicht zu groß werden zu lassen. Man dürfe in einer globalisierten Welt nicht so viel Nationalgefühl bei solchen Vorgängen aufbringen. Erfolgreiche internationale Unternehmen wie DMG Mori, bei denen erst kürzlich die japanische Seite ihren Anteil auf mehr als 75 Prozent erhöht hatte und nun einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließen wolle, zeigten doch, dass es auf die Köpfe in den Unternehmen ankomme und kein direkter Nachteil für europäische Standorte zu befürchten sei.

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